Dein Sportverein im Norden von Frankfurt

Der Turnverein von 1888 - 1919

von Alfred Schottdorf
Quelle: Festschrift "100 Jahre Turn- und Sportgemeinschaft 1888 Nieder-Erlenbach"

Der Turnverein Nieder-Erlenbach wurde am 1. April 1888 von 21 Mitgliedern gegründet; der Ort der Gründung soll eine Gaststätte in der Neuen Fahrt Nr. 7 gewesen sein. Gründungsmitglieder waren August Baumart, Fritz Baumart, Wilhelm Breusing, Georg Dressel, Konrad Hegenauer, A. Hoffmann, Johann Jann, Heinrich Lampert, Bernhard Laupus, Johann Libbach, Philipp Libbach, Georg Momberger, Johann Odemer, Georg Pfeffer, Fritz Pfeiffer, Heinrich Pfeiffer, A. Scherber, Balthasar Schneider, Heinrich Schöppner, Wilhelm Schuch und Georg Fritz Seip. Der Verein gehörte der Deutschen Turnerschaft an; er war im Main-Taunus-Gau und dieser im IX. Kreis Mittelrhein organisiert.

Von den ersten Jahren wissen wir fast nichts, da ein Protokollbuch erst ab 1896 vorhanden ist. Am 28. Januar 1896 setzte sich der Vorstand wie folgt zusammen:

Johann Jann Präsident
Ph. Schneider 1. Schriftführer
G. Wolf 2. Schriftführer
W. Kreutz Kassierer
W. Michel 1. Turnwart
J. Schuch 2. Turnwart
J. Pfeil Zeugwart

Der Nachfolger von Johann Jann als Präsident, der bis zum 30. 6.1896 amtierte, wurde Johann Libbach bis Anfang

1898; dann folgte ihm bis zum Zusammenschluß mit dem Sportverein 1906 im Jahre 1919 Philipp Schneider. Die Mitgliederzahl betrug:

1896 43
1907 53
1915 68
1919 50

Vereinslokale waren hauptsächlich die Gasthäuser "Zum Darmstädter Hof (Joh. Libbach), "Zur Friedenslinde" (Johann Gustav Jann) und "Zur Reichskrone" (Frau Winkler Wwe.).

Im Jahre 1896 fand von Samstag, dem 27. Juni, bis Montag, dem 29. Juni, das 20. Bundesfest des Main-Taunus-Bundes in Nieder-Erlenbach statt, Ausrichter war der hiesige Turnverein unter Beteiligung der Gesangvereine Eintracht und Heiterkeit und des Kriegervereins. Als Programmpunkt war am Samstag um 21 Uhr ein Fackelzug vom Festplatz aus mit Böllerschießen vorgesehen. Der Friedensstein (an der Gabelung der Straßen Alt-Erlenbach und Zum Schäferköppel, heute auf dem Friedhof) wurde bekränzt, und H. Kötter hielt dort die Festrede. Am Sonntag früh um 5 Uhr weckte ein Spielmannszug die Festteilnehmer.

Um 11 Uhr begrüßte ein Empfangskomitee die auswärtigen Vereine an den drei Ortseingängen, um 13.30 Uhr erfolgte die Aufstellung des Festzuges und um 14 Uhr der Abmarsch. An dem Festzug nahmen auch etwa 30 ,,Festdamen", die blaue Schärpen trugen, teil. Am Abend wurde ein Preisturnen durchgeführt mit folgenden Übungen: "Reck, Barren und Schwingel (Seitpferd), Stabhoch, Stemmen und Weitsprung."

An der am 21. Juli 1896 stattfindenden Generalversammlung wurden neue Statuten beschlossen, die zusammen mit der Turnordnung, einem Verzeichnis der Vorstandsmitglieder und einem Mitgliederverzeichnis gedruckt wurden und erhalten geblieben sind. Der Vorstand setzte sich aus einem Sprecher (Präsidenten), einem Schriftführer, einem 1. Tumwart, einem Kassierer und einem Zeugwart zusammen. Turnstunden fanden mittwochs um 20.30 Uhr und samstags um 20.00 Uhr statt. Dazu finden sich folgende Beschlüsse im Protokollbuch: "Es müssen alle Mitglieder in der Turnstunde pünktlich erscheinen. Mitglieder, welche dreimal gestraft sind, werden aus dem Verein ausgeschlossen. Alle Mitglieder, die sich gegen den Tumwart unanständig betragen, werden mit 50 Pfennigen bestraft; jedes Mitglied, welches nicht in der Reihe steht, beträgt sich unanständig . . .".

An Turngeräten waren 1896 vorhanden: 1 Reck, 1 Barren, 2 Sprungbretter, 2 Matten, 1 Sprungpferd, 1 Schwingel, 12 Stabhochstangen, 1 Stoßstein und 2 Hanteln.

Regelmäßige Veranstaltungen im Jahresverlauf waren Anturnen im Frühjahr (Turntag) und Abturnen im Herbst; z. B. fand am 17. Oktober 1909 das Abturnen um 14.00 Uhr in der Turnhalle statt. Dazu wurden Preisrichter teilweise von außerhalb eingeladen. Folgende Übungen und Wertungen wurden festgelegt:

I. Freiweit: Oberstufe 3,40 m - 0 Punkte Oberstufe 5,40 m - 20 Punkte Unterstufe 2,40 m - 0 Punkte Unterstufe 4,40 m - 20 Punkte

II. Stemmen: Oberstufe 75 Pfund zweihändig, jedeHebung l Punkt Unterstufe 50 Pfund zweihändig, jede Hebung l Punkt

III. Steinstoßen:Oberstufe 20 Pfund, 8 m - 20 Punkte Unterstufe 10 Pfund, 8 m - 20 Punkte;

ferner am Reck, Barren und Pferd je 3 Übungen für beide Stufen."

Am jährlich stattfindenden Gauturntest nahm der Verein regelmäßig mit Wettkämpfern teil.

Als gesellige Veranstaltung wurde jährlich am 2. Osterfeiertag ein "Osterkränzchen" (Tanzveranstaltung) mit turnerischen Einlagen durchgeführt (z. B. 1911 Übungen am Barren, Turnübungen und Pyramiden). Der Eintritt betrug 1910 für Nichtmitglieder 30 Pfennige, das Tanzgeld 1 Mark; für Mitglieder war der Eintritt frei und das Tanzgeld betrug nur 50 Pfennige. In der Fastnachtszeit wurde mehrmals ein Maskenball veranstaltet (erstmals erwähnt 1904, als Bau 1896).

Im Jahre 1898 plante man die Anschaffung einer Vereinsfahne, wozu lt. Beschluß der Mitgliederversammlung jedes Mitglied 3 Mark "Reserven" einzahlen sollte. Im Jahr 1900 war es dann so weit: Es wurde eine Vereinsfahne für M 325.- angeschafft, die heute noch vorhanden ist Bei der Fahnenweihe am 17. 6. 1900 wurde ein Festzug veranstaltet unter Beteiligung der beiden Gesangvereine und des Kriegervereins, von 28 Festdamen und 7 Festreitern. Für das Preisturnen wurden als Übungen "Stabhoch, Freiweit, Stemmen und Steinstoßen" festgelegt.

Im Jahre 1905 wird erstmalig erwähnt, daß der Verein sich am Feldbergfest beteiligen will: "Es wird beschlossen, am 24. 6. 05 das Feldbergfest ev. mit Damen mitzumachen. Abfahrt abends 8 Uhr nach der Spinnerei; von da weiter nach Wahl.

Die Fahrt wird aus der Kasse bezahlt" (M 38,40).

Bereits 1896 wird ein "Tambour" erwähnt; 2 Trommeln waren damals vorhanden und der "Tambour" war beim Bundesfest 1896 in Aktion. Im Jahre 1906 wurde ein kleiner Spielmannszug bestehend aus 4 Pfeifern, 4 Trommlern und einem Tambourmajor gegründet. Die Musiker erhielten Abzeichen aus der Vereinskasse ("Schwalbennester mit silbernen Fransen" und Achselstücke). Übungsstunde war sonntags von 14.00 bis 15.00 Uhr in der Turnhalle (1912).

Im Februar 1907 findet sich die erste Erwähnung eines geplanten Neubaus einer Turnhalle. Die Generalversammlung beschloß, daß ab 1.1.1907 jedes Mitglied pro Jahr M 4,80 bzw. pro Monat 40 Pfennige zu zahlen hat angesichts des Turnhallenneubaus. Ein vorläufiger Vertrag mit der bürgerlichen Gemeinde wurde mit 15 gegen 3 Stimmen genehmigt.

Die Generalversammlung am 30.6. 1907 beschloß dann endgültig, daß die neue Turnhalle auf dem Schafberg errichtet werden sollte lt. Abkommen mit der Gemeinde. Alle Mitglieder mußten sich durch ihre Unterschrift vor dem Gemeinderechner Stoll für den Bau der Turnhalle verpflichten.

Grundriß der Turnhalle von 1907/1908

Die bürgerliche Gemeinde stellte auf dem Schafberg an der Vilbeler Straße ein 794 m2 großes Grundstück für den Neubau unentgeltlich zur Verfügung; als Eigentümer wurden der Turnverein zu 5/6 und die bürgerliche Gemeinde zu 1/6 im Grundbuch eingetragen mit der Vormerkung des Rechts der Gemeinde Nieder-Erlenbach auf kostenlosen Rückfall der dem Turnverein Nieder-Erlenbach zugeschriebenen 5/6 im Falle der Auflösung des Turnvereins. Außerdem gewährte die bürgerliche Gemeinde zwei Darlehen in Höhe von insgesamt 5100,- M zu einem Zinssatz von 4,2%; dafür wurde eine Sicherungshypothek in Höhe von 5100.- M nebst Zinsen auf den Anteil des Turnvereins an dem Bau-grundstück in das Grundbuch eingetragen.

Man erhält den Eindruck, daß der Neubau der Turnhalle eine Reaktion auf die 1906 erfolgte Gründung des Sportvereins ist, wobei die Sympathien von Bürgermeister W. Ullmann und von den Gemeinderäten ganz eindeutig dem Turnverein gehören. Bezeichnend für die Animositäten ist u. a. folgender Beschluß der Generalversammlung:

"Es wird beschlossen, das Gartenfest bzw. Stiftungsfest des hiesigen Sportvereins am 4. August 1907 nicht in corpore mitzumachen, sondern es soll jedem Mitglied freie Hand gelassen werden."

Die ersten Aufträge für den Neubau wurden im Juni und September 1907 vergeben und am 6. Oktober 1907 erfolgte die Grundsteinlegung. Folgendes Programm war vorgesehen:

Bei Ankunft an der Turnhalle Verlesung der von dem Schriftführer F. Rüppel verfaßten und auf Pergament geschriebenen Urkunde durch Fritz Baumart; sodann Siegelung der Flasche, welche die Urkunde enthält, Legung des Schlußsteines. Dann Rede des Herrn Pfarrers (3 Hammerschläge), Ansprache des Herrn Bürgermeisters (3 Hammerschläge), Rede des H. Roth, des Vertreters des Turngaus aus Frankfurt (3 Hammerschläge). Weitere Reihenfolge der Hammerschläge: Ph. Schneider, Präsident, Maurermeister H. Schneider, Fritz Baumart F. Rüppel, Mich. Reichert, Joh. Michel, Ad. Michel, Jak. Schuch, G. Jann, L. Reichert, C. Wolf. - Darauf Musik und Gesang."

Im Jahre des Heils 1907 am Sonntag, den 6. Oktober mittags 3 Uhr wurde der Grundstein zu dieser Turnhalle gelegt. Der Turnverein zu N. E. wurde im Jahre 1886 (?) gegründet & zwar durch folgende Mitglieder: Balthasar Schneider, Fritz Baumart, Joh. Jann, Aug. Baumart, Wilh. Schuch, J. Odemer, Joh. Libbach, B. Laupus, Fr. Pfeiffer, Hch. Lampert, Hch. Pfeifer, Gg. Dressel, Gg. Momberger, Gg. Pfeffer, Fr. Seip, Ph. Libbach und Hch. Schöppner (unvollständig). - Der Verein hat in den ersten Jahren seines Bestehens mit vielen Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellten, zu kämpfen gehabt, doch hat stets die gute, treue deutsche Turnersache den Sieg davongetragen und allen neidischen Feinden des jungen Vereins zum Trotz hat sich dieser emporgeschwungen zu einer nie geahnten Größe. Der Verein hatte eine stolze Anzahl Mitglieder zu verzeichnen, doch leider hat der unerbittliche Tod manche Lücke gerissen; viele unserer Turner wurden zu den Fahnen einberufen, um ihrem Vaterland zu dienen, um nach der Dienstzeit ihren eigenen Herd zu gründen und der Turnersache vor der Hand Valet zu sagen. Doch trotzdem & alledem ist immer ein fester und starker Stamm geblieben, der die Fahne unseres alten braven Vaters Jahn emporhielt, und nicht wankte und nicht wich. Eine große Anzahl dieser treuen wackeren Kämpfer

steht heute noch in unseren Reihen & wills Gott, sollen sie noch lange darin bleiben. - Es gelang dem Verein während seines Bestehens ca. 50 Preise bestehend in Diplomen und Kränzen zu erringen. Unter den Mitgliedern des Vereins hat sich besonders unser heutiger Vorturner & Turnwart Joh. Michel von N. E. hervorgethan; er allein errang 26 Preise, darunter einen 4ten auf dem Turnfest in Harheim im Jahre 1901. - Es zeugt dieses von dem echten turnerischen Geist, welcher in unserem Verein herrscht Heute nun 21 (?) Jahre nach der Gründung des Vereins, ist es diesem mit hochherziger Hülfe der Gemeinde N. E. gelungen, eine eigene Turnhalle zu bauen unter der Aegide unseres verehrten Herrn Bürgermeisters Ullmann und der verehrt. Herrn Gemeinderäte. Der Verein zählt heute ca. 60 Mitglieder, Aktive & passive, und steht unter der Leitung des Vorstandes, welcher heute am Tage der Grundsteinlegung aus folgenden Turnern bestand:

I. Präsident: Ph. Schneider; II. Präsident: Mich. Rei-chert; Schriftführer: F. Rüppel; Kassierer: Ad. Michel: I. Tumwart: J. Michel; II. Turnwart: H. Kiel; Zeugwart: L. Reichert II.

Möge die Turnhalle ein Zeugnis ablegen von der Thatkraft ihrer Erbauer, von der Eintracht der Gemeinde N. E. und ihren Vertretern zu dem Turnverein; der jetzigen Generation zum Vorbild, den späteren Geschlechtern zur Nacheiferung! Das walte Gott. N. E., d. 6. 10. 07.

Namen des Bürgermeisters & der Gemeinderäthe

Namen des Vorstands des Turnvereins

Namen sämtlicher Mitglieder.

Der Vorstand beschloß, daß der Steinmetz Götzinger in Bonames einen Gedächtnisstein mit folgender Aufschrift herstellen sollte: "Turnhalle des Turnvereins zu Nieder-Erlenbach. Erbaut 1907." Dieser Stein wurde über dem Eingang der Turnhalle außen angebracht und bei der Niederlegung der Turnhalle sichergestellt.

Die Baukosten für die Turnhalle setzten sich wie folgt zusammen:

Maurerarbeiten
Heinrich Schneider III Nieder-Erlenbach M 2.718,-
Zimmerarbeiten
Joh. Kester VII Nieder-Eschbach M 751,-
Weißbinderarbeiten
Philipp Kinkel Nieder-Erlenbach M 300,-
Schreinerarbeiten
Adolf Michel Nieder-Erlenbach M 844,-

Fenster und Türen von einem Abbruchunternehmen

Frankfurt a. M.

M 180,-

Spenglerarbeiten
Johannes Pfeil Nieder-Erlenbach

M 98,-

Schlosser- und Schmiedearbeiten
Karl Wolf Nieder-Erlenbach

M 157,-

Kleinere Nebenkosten

M 264,-

"Verschaffungsgeld"
(Disagio, Damnum)

M 128,-

M 5.440,-

So mußten vom Turnverein direkt nur 340,- Mark in bar aufgebracht werden. Eine Unterstützung für den Turnhallenbaufonds erhielt der Verein auf Antrag von der Dr. Götz'schen Stiftung im Jahre 1909 in Höhe von 300,- Mark

Wegen der beantragten Eintragung des Vereins im Vereinsregister wurden die Statuten geändert und am 16. 4. 1908 in der Generalversammlung einstimmig gebilligt Man erweiterte den Vorstand gegenüber den Statuten von 1896 um einen 2. Präsidenten und um einen 2. Turnwart Die Eintragung in das Vereinsregister beim Großherzoglichen Amtsgericht Vilbel erfolgte am 19. 5.1908. Da die neue Turnhalle auch ein Kolleg umfaßte, mußte sich der Vorstand Gedanken um Lieferung und Ausschank von Getränken machen. Der Ausschank wurde offensichtlich von den Mitgliedern selbst organisiert.

Bezüglich der Lieferung von Bier beschloß der Vorstand:

"... daß das Mitglied Joh. Pfeil die Bierlieferung übernimmt von irgendeinem Mitglied, welches solches liefert, und zwar zu 17 Pfennigen die Flasche; das Bier wird per 1/1 Flasche zu 20 Pfennigen verkauft; der überschießende Betrag von 3 Pfennigen fließt in die Kasse. Die Wirte sollen monatlich in der Bierlieferung wechseln, d.h., nur solche, welche nicht mehr als 17 Pfennige pro Flasche verlangen; andernfalls erhält es nur der Mindestbietende, da hiermit keine Geschäfte gemacht werden sollen."

Die neue Turnhalle sollte am 2. Pfingstfeiertag (8. Juni 1908) eingeweiht werden, gleichzeitig wollte man das 20. Stiftungsfest feiern. Die Bleiche wurde als Festplatz in Aussicht genommen. Für das Fest sollten 100 Einladungen und 1500 Festkarten gedruckt werden.

Folgende Übungen wurden für das Fest festgelegt:

Reck: Schwung und Kraft,

Pferd: Quer und aus dem Seitstand,

Barren: Schwung und Kraft,

Stemmen: 50 Pfund einarmig; 20x -10 Punkte,

Kugelschocken: 10 Pfund,

14m aus dem Stand - 10 Punkte

Wettlauf: 100m, 12 sec. - 10 Punkte.

Abends um 22.00 Uhr war einePyramidenaufstellung bei bengalischer Beleuchtung vorgesehen.

Der Festzug sollte folgenden Weg nehmen:

"Aufstellung am Vilbeler Weg, Marsch direkt zu der Friedenslinde (an der Gabelung Alt-Erlenbach und Zum Schäferköppel); dann kehrt; Neue Fahrt bis zu J. Kötter; Wendepunkt nach der Haingrabenstraße, Hintergasse und durch Lersners Hof zum Festplatz."

Folgende Ordnung war für den Festzug vorgesehen: 9 Festreiter, Radfahrer, Musikkapelle, Kriegerverein Nieder-Erlenbach, Gemeindevertretung und Pfarrer, TV Massenheim, Gesangverein Eintracht, TV Gonzen-heim, Gesangverein Heiterkeit, TV Harheim, Turnermusik, TV Nieder-Erlenbach.

Über den Verlauf des Festes verfaßte der langjährige Schriftführer Ferdinand Rüppel folgenden Bericht:

"Nieder-Erlenbach, den 9. 6. 08. Gestern feierte der hiesige Turnverein sein 20jähriges Stiftungsfest verbunden mit Turnhalleneinweihung. Da das Wetter prachtvoll war, hatten sich viele Vereine mit ihren Angehörigen eingefunden und waren die vorhandenen Räumlichkeiten übervoll besetzt."

Des Vormittags von 7-9 Uhr war unter den Mitgliedern des festgebenden Vereins Wetturnen und wurden 8 Sieger für hervorragende Leistungen im Wettlaufen, Stemmen, Kugelschocken und volkstümliche Übungen am Barren, Reck und Pferd mit Eichenkranz und Diplom ausgezeichnet.

Die aus 10 Mann bestehende Musikkapelle aus Vilbel unter der Leitung des Dirigenten Hr. Schmidt ließ ihre flotten Weisen ertönen und bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben von Alt und Jung auf dem Festplatz. Nach den Ansprachen des Herrn Pfarrers Dr. Volp und des Hr. Bürgermeisters Ullmann folgte der Dank des 2. Vorsitzenden H. Fritz Baumart, welcher mit einem jubelnden Hoch auf die deutsche Turnerschaft schloß. Es erfolgte darauf die Überreichung eines schönen Wappenschildes durch Herrn W. Hinkel, welches der Vorsitzende mit Worten des Dankes annahm.

Nach diesem allem wurde unter Vorantritt der Musikkapelle der Festzug aufgestellt, welcher verschiedene Straßen des Ortes, welcher zur Feier des Tages brillant geschmückt war, durchzog.

Nach Beendigung dieses Aktes werden von Seiten der beiden hiesigen Gesangvereine verschiedene schöne Lieder gesungen, welche wesentlich zur Verschönerung des Festes beitrugen. Darauf entwickelte sich auf dem Festplatz ein fröhliches Treiben und als die Musik zum Tanze aufspielte,

war Jung und Alt nicht mehr zum Halten.

In früher Morgenstunde erst schieden die Festteilneh-mer mit dem Bewußtsein, in N. Erlenbach ein schönes, unvergeßliches Fest mitgefeiert zu haben."

Im Protokollbuch hat derselbe Verfasser das Fest so kommentiert:

"Das Fest verlief programmgemäß bei prachtvollem Wetter und war der Besuch so ziemlich. Dritter Feiertag von morgens bis abends: Fest der Kinder. Schluß: spät"

Am 11. Turnfest in Frankfurt am 19. Juli 1908 nahm der Verein auf Beschluß der Generalversammlung teil. Die Abfahrt von Nieder-Erlenbach erfolgte morgens um 7.00 Uhr mit 2 Wagen. Um 10.30 Uhr sammelte man sich in der Darmstädter Landstraße zum Festzug, der um 12.00 Uhr begann. Abends von 18.30 bis 21.00 Uhr fand ein Preisturnen statt, zu dem vom TV Nieder-Erlenbach Johann Michel und K Libbach gemeldet waren.

Im Jahre 1910 gibt es den ersten Hinweis darauf, daß das Faustballspiel aufgenommen wurde; man sammelte in einer Generalversammlung für einen Faustball und wählte einen Spielwart. In den folgenden Jahren wurden die Spieltage des Main-Taunus-Gaues besucht. - Im Jahre 1911 hieß eine Generalversammlung die Gründung einer "Knabenabteilung" für gut.

 

Im August 1912 nahmen 5 Turner aus Nieder-Erlenbach am Rhönturnfest teil und kehrten als Sieger zurück (W. Baumart, Wilh. Brückmann, H. Kinkel, Hch. Libbach und Fritz Schwander).

Die Planung für das 25. Stiftungsfest begann bereits Ende 1912. Das Fest sollte vom 21. bis 23. Juni 1913 auf dem Festplatz bei Herrn Brückmann stattfinden. Mit dem Festwirt H. Dickhardt schloß der Verein einen Vertrag: Der Festwirt schlägt 2 Zelte (720m2) und 2 Tanzböden (160 m2) auf. Die Festdamen erhalten am Sonntag des Festes nachmittags Kaffee vom Festwirt, die Musik volle Verpflegung. Der Festwirt zapft Jung'sches Bier, 3/10 Liter zu 12 Pfennige, Apfelwein der Schoppen zu 12 Pfennige. Die Bedürfnisanlagen stellt der Verein. Beleuchtung erfolgt mit Acetylen-(Karbid-)Lampen.

Standplätze für ein zweistöckiges Karussell, einen Schießstand, eine "Schlagmaschine" und einen Zucker- und Spielwarenstand wurden in der Gaststätte "Zur Friedenslinde" öffentlich versteigert.

Etwa 30 Festdamen sollten am Festzug teilnehmen. Als Kleidung wurde festgelegt: eine Schärpe aus hellblauem Tüll, Halbschuhe, weiße Kleider, schwarze Strümpfe und weiße Handschuhe.

In mehreren Sitzungen von Vorstand und Festkomitee wurde folgendes Programm festgelegt:

"Samstagabend, 21. 6. 1913:

Abends 20.00 Uhr Aufstellung des Fackelzuges auf dem Festplatz (Reihenfolge der hiesigen Vereine: 1. Sportverein, 2. Gesangverein Heiterkeit, 3. Gesangverein Eintracht, 4. Kriegerverein), Zug durch die Mühlgasse zum Friedensstein, Kranzniederlegung, Ansprache von Fr. Baumart, dem 2. Vors., zu Ehren der verstorbenen Krieger, Weitermarsch durch sämtliche Ortsstraßen zum Festplatz, Gesang des GV Heiterkeit, Begrüßung mit einer kurzen Ansprache von Johann Michel, Überreichung des silbernen Fahnennagels durch Herrn August Baumart, Frankfurt, mit einer Ansprache, Schülerriege des Turnvereins Nieder-Erlenbach, vorgeführt von Wilhelm Baumart, Gesang des GV Eintracht; Sportverein; Turnverein.

Sonntag, den 22. Juni 1913:

6.00 Uhr Reveille, 10.30 Uhr Abmarsch vom Hause des Präsidenten zum Friedhof, Niederlegung von vier Kränzen; Philipp Libbach hält eine Rede für die gestorbenen Mitglieder; 13.30 Uhr Aufstellung des Festzuges; Abmarsch 14.00 Uhr.

Der Festzug verläuft wie folgt: Mühlgasse zum Friedensstein, zurück Neue Fahrt, Stadtweg, Haingrabenstraße, Hintergasse, Breite Gasse bis zum Schluß, Festplatz.

 

Reihenfolge: Zugführer, Festreiter, Radfahrer, Festredner mit 2 Begleitern, Musik, Festdamen, Gründer, Schülerriege, Ortsvorstand, Besuchsvereine, hiesige Vereine.

Programm auf dem Festplatz: 1) Gesang des Gesangvereins Eintracht, 2) Begrüßung durch den 2. Präsidenten, H. Fr. Baumart, 3) Rede des H. Pfr. Dr. Volp, 4) Gesang des Gesangvereins Heiterkeit, 5) Festdamen und Überreichung, 6) Gauvertreter, 7) Ehrung der Gründer, 8) Dankrede derselben, 9) abends von 20.30 - 21.00 Uhr Damenreigen.

Montag, den 23. Juni 1913: 10.00 Uhr Treffpunkt auf dem Festplatz (Frühschoppen), 14.00 Uhr Festzug, 16.00 Uhr Schülerriege, 17.00 Uhr Freiübungen."

Im Jahr 1913 wurde elektrisches Licht in der Turnhalle installiert zum Preis von M 55,-. Es sollten 2 große und 2 kleine Lampen in der Turnhalle aufgestellt werden.

Innerhalb des Turnvereins wurde im Jahre 1913 eine Sportabteilung mit einem Vorstand gegründet, dem je ein eigener Trainer für Leichtathletik und für Fußball hörte. Es hat also den Anschein, daß in diesem Jahr erste Spielversuche im Fußball unternommen wurden. Aus dem Protokoll einer Generalversammlung im Jahr 1913 geht hervor, daß Leichtathletik jedenfalls betrieben wurde.

Für einen Wanderpreis meldeten sich 15 Turner für folgende Übungen: Speerwerfen, Dreisprung und Weitsprung mit Brett.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges kam der Turn- und Sportbetrieb des Turnvereins zum Erliegen und wurde während des Krieges nicht fortgesetzt. Von den 58 Mitgliedern, die am 1.1.1915 17 Jahre oder älter waren, waren 30 Mitglieder zum Heeresdienst eingezogen.

Am 5. Januar 1919 fand die erste Generalversammlung nach dem Kriege statt; Philipp Libbach begrüßte dabei die heimgekehrten Turner. In der Generalversammlung am 20. Juli 1919 wurde kommentarlos der einstimmige Beschluß gefaßt, daß der Turnverein Nieder-Erlenbach der Vereinigung von Turnverein und Sportverein zustimmt und daß der Verein ab 1. August 1919 den Namen "Turn- und Sportverein" fuhren soll.