Dein Sportverein im Norden von Frankfurt

Die Turn- und Sportgemeinschaft ab 1945

von Rudolf Fritz
Quelle: Festschrift "100 Jahre Turn- und Sportgemeinschaft 1888 Nieder-Erlenbach"

Die Neugründung des Vereins

Bereits am 31. 12. 1945 wurde der Verein neu gegründet. Das Gründungsprotokoll datiert vom 5.1.1946 und hat folgenden Wortlaut:

„Am 31. 12. 1945 wurde wieder ein neuer Sportverein gegründet. Als Vorstand wurden bestimmt:

Vorsitzender: Wilhelm Lampert

Vorsitzender. Wilhelm Michel

Kassierer: Fritz Schwander

Schriftführer: Hermann Walz

Sportwart: Otto Schwander

Folgende Unterzeichnete haben ihren Beitritt in Höhe eines freiwilligen Eintrittspreises erklärt:

Heinrich Michel                   Georg Hch. Kreutz

Johann Graf                        Karl Walz

Karl Fasold                         Wilhelm Hch. Lampert

Daniel Nagel                       Heinz Volk

Heinz Graf                          Hermann Frick

Georg Lampert jun.              Willi Michel jun.

Georg Lampert II                  Adolf Odemer jun.

Ferdinand Schneider jun.      Erich Kreutz

Hans Walz                          Michael Reichard jun.

Oswald Speth                      Ludwig Apfel

Wolfgang Schuch                 Waldemar Zinnecker

Heinz Lampert                     Hans Kreutz

Fritz Föll                             Ludwig Reichard jun.

August Apfel                       Herbert Kreutz

Werner Michel                     Anton Feucht

Rudolf Grünewald                 Fritz Kreutz II

Heinrich Kreutz                    Fritz Kreutz IV

Friedrich Kreutz                   Albert Hohenwarter

Werner Rebsch                    Walter Axtmann

Adolf Reichard                      Hermann Michel

Friedrich Reichard                 Otto Schwander

Ludwig Reichard sen.            Heinrich Lampert

Fritz Kötter II                        Karl Klöss

Wilhelm Michel                     Willy Michel

Erwin Schuch                       Heinz Michel

Karl Gregorius

Der Schriftführer: Hermann Walz“

An dieser Stelle die Mitgliederentwicklung seit 1945:

1945: 56 Mitglieder

1955: 225 Mitglieder

1965: 430 Mitglieder

1975: 640 Mitglieder

1980: 878 Mitglieder

1985: 965 Mitglieder

1986: 967 Mitglieder

1987: 976 Mitglieder

1988: 1014 Mitglieder

Die Übersicht über die Entwicklung des Vereins ab 1945 beschränkt sich nun auf wenige wichtige Ereignisse, da der sportliche Bereich weitgehend durch die nachfol­genden Beiträge der einzelnen Abteilungen beschrieben wird.

Sportplatzausbau und Umkleidehausbau 1966 bis 1968

Der Anstoß kam von außen: Auswärtige Vereine beklagten Ende 1965 die katastrophalen Wasch- und Umkleidemöglichkeiten in Nieder-Erlenbach. Der Vereinsvorstand entschied sich daraufhin am 1.12.1965 einstimmig für ein Bauvorhaben, das den Bau eines Um­kleidehauses sowie eine bauliche Verbesserung der vorhandenen Sportanlage umfaßte. Die Kosten für das Bauvorhaben wurden mit 40000,- DM veranschlagt. Bis zum 20.1.1966 lagen bereits die Angebote der Baufirmen vor: Der veranschlagte Preis hatte sich verdoppelt, er betrug nun 80000,- DM.

Trotzdem genehmigte die Generalversammlung am 5.3.1966 „bei drei Gegenstimmen die Errichtung des ge­planten Baues auf dem Sportplatz." Noch im selben Jahre wurde der I. Bauabschnitt unter der Leitung von Dietrich Hasenjäger beendet. Er umfaßte folgende Arbeiten: „450 Quadratmeter Rasenstücke wurden verlegt, die Rund-Laufbahn (neu) angelegt, die Zuschauer-Stehplätze mit 900 Kubikmeter Schlacke ausgebaut, die Zementein­fassung errichtet, der Parkplatz mit Schlacke angelegt und einige Bäume neu gepflanzt." Die Kosten beliefen sich dank weitgehender Selbsthilfe auf ca. 5 000,- DM. Der II. Bauabschnitt umfaßte den Bau des Umkleidehauses sowie die Vollendung der Aschenbahn und der Umrandung. Anfang April 1967 wurde dann mit dem Bau des Umklei­dehauses begonnen.

Folgende Finanzierung lag vor:

Zuschuß des Landes Hessen: 16 250,- DM

Zuschuß des Hessischen Fußballverb.:15 000,- DM

Zuschuß des Kreises Friedberg: 8 000,- DM

Zuschuß der Gemeinde Nieder-Erlenbach: 5 500,- DM

Sammlung in Nieder-Erlenbach: 5 500,- DM

Es muß noch festgestellt werden, daß die Gewährung der Landeszuschüsse von den Eigentumsverhältnissen abhängig waren. Aus diesem Grunde übereignete die Ge­meinde der TSG den Baugrund am 1.1.1969 für 1200,- DM für dieses Vorhaben. Die Höhe der Geldmittel betrug demnach ca. 50000,- DM, alles übrige mußte durch Eigenleistungen abgedeckt werden. Im Protokoll werden besonders die Leistungen des Bundes Vertriebener Deutscher, der Fußball- und der Leichtathletikabteilung sowie verschiedener Einzelpersonen hervorgehoben.

Einweihung des Sportplatzes an Pfingsten 1968.

 

 

Die Satzungsänderung von 1974

Da die Satzungsänderung von 1974 wichtiger als alle vorherigen war, sei sie kurz in den wichtigsten Punkten dargestellt. Die TSG hatte 1974 bereits über 600 Mitglie­der. Ein Großverein benötigt jedoch eine homogene, straffe Führung mit klar definierten Verantwortlichkeiten. Nach der alten Satzung wurden der geschäftsführende Vorstand sowie die Abteilungsleiter in der Generalversammlung einzeln gewählt. Damit war die Zusammenset­zung des Vorstandes weitgehend vom Zufall und von Gruppeninteressen abhängig. Eine kooperative Zusam­menarbeit im Vorstand war dadurch nicht unbedingt immer gewährleistet. Aus diesem Grunde betraf die Satzungsänderung besonders die §§ 14 (Jahreshaupt-versammlung), 15 (Geschäftsführender Vorstand), 16 (Wahl des geschäftsführenden Vorstandes), 17 (Wahl der Abteilungsleiter) und 18 (Aufgaben des Vorstandes).

Nach der neuen am 8. 6. 1974 in Kraft getretenen Satzung wird zuerst nur noch der 1. Vorsitzende gewählt. Er bestimmt danach die Mitglieder (Referatsleiter) des ge­schäftsführenden Vorstandes. Diese müssen dann ledig­lich von der Hauptversammlung bestätigt werden. Nach dieser „Bestätigungswahl" wird der 2. Vorsitzende von der Hauptversammlung gewählt. Zusätzlich hat der 1. Vorsitzende das Recht (§16), Sportreferatsleiter während seiner Amtsperiode von ihrem Amt zu entbinden und dem Vorstand einen neuen Vorschlag zur Bestätigung zu unterbreiten. Auch die Abteilungsleiter werden nach der neuen Satzung nicht mehr von der Hauptversammlung gewählt, sondern von den einzelnen Abteilungen. Sie werden der Hauptversammlung lediglich vorgestellt.

In einer weiteren, ergänzenden Satzungsänderung wur­den 1977 die Aufgaben des Ältestenrates neu definiert. Er hat vornehmlich die Funktion einer Widerspruchs- und Schiedsstelle. Im Wesentlichen führte diese Satzungsän­derung zu effektiverer Vorstandsarbeit, die einfach not­wendig ist, um einen störungsfreien Sportbetrieb des Großvereins TSG zu ermöglichen.

Die Vereinsnachrichten

In der Vorstandssitzung am 8. 4. 1975 wurde beschlos­sen, eine Informationsbroschüre möglichst regelmäßig herauszugeben. Ihr Titel: TSG-Vereinsnachrichten. Die erste Ausgabe datiert vom 15. 6. 1975, und bis heute sind 29 Vereinsnachrichten erschienen. Seit 1986 werden die Nachrichten an sämtliche Haushalte Nieder-Erlenbachs verteilt. Es ist geplant, die TSG-Vereinsnachrichten in Zu­kunft vierteljährlich erscheinen zu lassen.

Die inhaltliche Reihenfolge hat sich bis heute nicht geändert:

Bericht und Ausblick des 1. Vorsitzenden

Berichte der Referatsleiter

Mitteilungen des geschäftsführenden Vorstandes Tätigkeitsberichte der Abteilungen

Ein Verein in der Größenordnung der TSG kann ohne derartige Publikationen nicht mehr auskommen: In klei­nem Maßstab „public relations" vor Ort. Weiterhin sind solche Vereinsnachrichten besonders wichtig für eine zu­künftige Dokumentation der Vereinsgeschichte.

Der Bau der Sportanlage

Die rechtliche Grundlage für den Bau der Sportanlage war der Grenzänderungsvertrag der Stadt Frankfurt am Main mit der Gemeinde Nieder-Erlenbach vom 23.11.1971. Dort heißt es in § 7, Absatz 5: „Die Stadt Frankfurt verpflichtet sich, innerhalb einer Frist von 3 Jahren vom Vertragsschluß gerechnet, die im Rahmen des Gemeindezentrums „am Feldchen“ geplante Sportanlage zu errichten und die jetzt vorhandene Sportanlage als Übungs- und Trainingsplatz zu erhalten und zu unterhalten."

Der Bau der Sportanlage verzögerte sich jedoch be­trächtlich. Anfang 1975 wurde der geschäftsführende Vor­stand der TSG tätig, um den Bau der Anlage voranzutrei­ben. Dies schlug sich nieder in Form von Gesprächen und Schriftwechsel mit zuständigen Ämtern der Stadt sowie dem Ortsbeirat Ortsbegehungen wurden durchgeführt. Das Hauptproblem kristallisierte sich bald heraus: die Standortfrage! Der Eingemeindungsvertrag sah das Gebiet „Am Feldchen" als Gelände für die Sportanlage vor. Da auf diesem Gebiet ein Rasenplatz mit 400-Meter-Laufbahn aus Platzgründen nicht zu verwirklichen war, kamen andere Alternativen ins Gespräch: der Standort „Am Bier" und der Standort „Auf der Insel" neben dem vorhandenen Sport­platz.

Die Frage, wo nun die Sportanlage gebaut werden solle, wurde schnell zu einem Politikum, und dies muß als ein wesentlicher Punkt für die neuerliche Verzögerung des Baues angesehen werden: Man wurde sich nicht einig!

Der geschäftsführende Vorstand, der Gesamtvorstand sowie die Mehrheit der Mitglieder der TSG favorisierten die Lösung „Auf der Insel" (8. 9. 1975). Andere Gruppen und Organisationen votierten für den Standort „Am Bier".

Der Streit um den „richtigen" Standort kostete zwei Jahre. Erst am 6.10.1977 entschied sich der Ortsbeirat mehrheitlich für den Bau der neuen Sportanlage „Auf der Insel." Damit war eine wichtige Vorentscheidung gefallen.

Bis mit den Baumaßnahmen begonnen werden konnte, war noch eine „Durststrecke" von nahezu 3 Jahren zu­rückzulegen. Die Grunderwerbsverhandlungen zogen sich in die Länge, obwohl der geschäftsführende Vorstand bereits ausgehandelte Zusagen von den Grundstücksei­gentümern hatte. Erst im April 1980 waren die Verhand­lungen von seiten der Stadt abgeschlossen. Weitere Schwierigkeiten bereiteten die Verlegung von Zufahrts­wegen sowie die Stromversorgung.

Modell der geplanten Sporthalle

 

Vom 17. 3. 1980 datiert die Vorlage des Magistrats der Stadt Frankfurt an die Stadtverordnetenversammlung (M 86) in der es heißt: „Wir bitten die Stadtverordneten­versammlung zu beschließen: Die Errichtung eines 2. Spielfeldes (Rasenplatz) mit 400-m-Laufbahn und leichtathletischen Einrichtungen (Kampfbahn Typ B) und die Umgestaltung des vorhandenen Sportplatzes in einen Tennenplatz werden genehmigt." Der Kostenvor­anschlag für die gesamte Sportanlage belief sich auf eine Summe von 2 043 300 ,- DM.

Einem guten demokratischen Brauch - trotz aller vor­handenen Meinungsunterschiede - folgte der Ortsbeirat in seiner Sitzung am 21. April 1980: Einstimmig entschied er sich für die Magistratsvorlage. Man wollte nun gemein­sam vorgehen, um alle Verzögerungen zu vermeiden. Mit den Bauarbeiten wurde Mitte 1980 begonnen, und nach etwa 2jähriger Bauzeit wurde die Sportanlage am 14. Au­gust 1982 eingeweiht. Ein 10 Jahre dauerndes Bemühen war nun erfolgreich beendet worden.

Hinzugefügt werden müssen nun noch eigene Anstren­gungen der TSG, um die Sportanlage abzurunden: der Bau eines Vereinshauses in den Jahren 1984/1985 sowie die Erweiterung und Renovierung der Umkleideanlage von je zwei auf vier Umkleide- und Duschräume in den Jahren 1986/1987. Der Kostenaufwand belief sich auf ca. 250 000,- DM.

Ausblick

Die TSG steht in naher Zukunft vor neuen, auch finanziell einschneidenden Maßnahmen: Eine Sporthalle ist geplant. Sie wird den Mitgliedern der TSG eine sportliche Heimat bieten. Ohne die Absicht, in den Prozeß der aktuellen Meinungsbildung eingreifen zu wollen, glaubt der Verfasser mit geschichtlich erarbeiteter Gewißheit, daß der Verein - wie in den vielen Schwierigkeiten der vergangenen 100 Jahre - sich bewähren und zu vernünftigen Lösungen durchringen wird. Die Tragfähigkeit der Demokratie erweist sich an solchen kleinen Problemen. Es bleibt daher nur noch eines: Der TSG eine glückliche und erfolgreiche Zukunft zu wünschen.